Archive for the ‘Investor Relations’ Category

Investor Relations im Schatten der Abzocker-Initiative

Thursday, February 18th, 2010

Die Zahlen sind besser als erwartet, die Generalversammlung steht an, und sie kann auch dieses Jahr im courant normal durchgeführt werden. Möglich. Gleichwohl ist es Zeit, die eigenen Investor Relations unter die Lupe zu nehmen.

Kürzlich hat die Finanz und Wirtschaft bei Unternehmen aus diversen Branchen eine Umfrage zur Aktionärspflege durchgeführt. Im Vergleich zur letzten Umfrage haben sich nur wenige Veränderungen ergeben: Die Geschäftsberichte werden noch immer auf Papier gedruckt, die IR-Budgets sind in etwa stabil geblieben, nur die Werbung hat bei der Aktionärspflege an Bedeutung verloren. Letzteres ist grundsätzlich ein gutes Zeichen, heisst es doch nichts anderes, als dass die Investoren nach Informationen und Dialog verlangen und weniger nach Image.

Möglich, dass der Informationshunger wie nach der letzten Baisse durch den Wertrückgang im eigenen Portfolio begründet und damit ein vorübergehendes Phänomen ist. Andererseits sehen wir gegenwärtig eine Aktionärsdiskussion, die nachhaltig an Fahrt gewinnt. Sei es, dass die Stiftung Ethos prominenter auftritt und an Einfluss gewinnt, Zeitungen vermuten Daniel Vasella sei so überraschend als Konzernchef zurückgetreten, um sich kritische Fragen an der Generalversammlung zu ersparen, oder am augenfälligsten: die Abzocker-Initiative vom lästigen Klumpen zum heissen Eisen mutiert hat.

Was vordergründig nach der kurzfristigen Überprüfung der eigenen Corporate Governance ruft, ist vielmehr eine Herausforderung für die Investor Relations. Mit Blick auf wahrscheinliche Veränderungen im Aktienrecht und einer damit einhergehenden Stärkung der Aktionäre, tun die Unternehmen gut daran, sich um weitere Massnahmen für ein berechenbares und positives Verhältnis zu ihren Eigentümern zu kümmern. Es gilt also sich jetzt Gedanken über folgende Punkte zu machen:

  1. Welche Informationen verlangen unsere Aktionäre vs. welche Botschaften wollen wir als Unternehmen unseren Aktionären vermitteln?
  2. Welche Instrumente setzen wir als Unternehmen dafür ein und wie oft?
  3. Pflegen wir den Dialog mit unseren Aktionären oder informieren wir sie nur?

Nur wer konkrete Antworten auf diese Fragen liefern kann, hat seine Hausaufgaben gemacht.

Mit Hüst und Hott durch die Krise

Friday, October 10th, 2008

In der Krise sind die News von gestern noch älter als sonst. Das zeigt auch der tägliche Blick ins Aktienportefeuille – sofern man noch eines hat, das diesen Namen verdient. Dass sich die Halbwertszeit von Informationen in den letzten Wochen noch einmal verkürzt hat, sollte aber nicht dazu animieren den roten Faden in der Kommunikation zu verlieren. Da ist es mir schon lieber wenn sich der Bundesrat in dieser schwierigen Lage mit besonnener Zurückhaltung zu Wort meldet (vgl. NZZ vom 10.10.08), als wenn folgende Beispiele Schule machen:

a) Am 30. September beschloss die irische Regierung unbegrenzte Garantien für Einlagen in großen Banken des Landes. Harsche Kritik aus der EU, namentlich aus Deutschland, war die Folge. Am 5. Oktober dann verkündete die Bundesregierung eine Staatsgarantie für alle privaten Spareinlagen, Termineinlagen und Girokonten…

b) Am 7. Oktober schrieb der Tages-Anzeiger mit Bezug auf das Schutzniveau der Schweizer Bankkonten: “Und auch die Schweiz wird kaum umhinkommen, ihr dürftiges Sicherungsnetz zu verstärken – im Sinne einer vertrauens­bildenden Massnahme.” Tags darauf erschien in der gleichen Zeitung der Kommentar: “Das heutige Schutzniveau von 30 000 Franken reicht vollauf.”

c) Die Chronologie der Schott Solar Kommunikation anhand der Berichterstattung in der Schweiz:
NZZ, 23.9. „Schott Solar verschiebt Börsengang“
NZZ, 30.9. „Schott Solar nimmt Börsenpläne wieder auf“
NZZ, 2.10. „Schott Solar verschiebt Börsengang erneut“
FuW, 4.10. „Schott Solar will unbedingt an die Börse“
NZZ, 9.10. „Schott Solar sagt Börsengang zum zweiten Mal ab“

Wie sollen denn da die Marktteilnehmer wieder zu Vertrauen kommen?

Follow-up: Rating-Agenturen

Wednesday, July 9th, 2008

Wie in meinem Post hier beschrieben, sind die Rating-Agenturen in letzter Zeit vermehrt in die Kritik geraten. Wie nun bekannt wurde, haben die Finanzminister der EU an ihrer monatlichen Sitzung (Ecofin) gestern die Absicht von Charlie McCreevy zur Regulierung der Rating-Agenturen unterstützt.

Ziel sei es die “Bedenken hinsichtlich der Transparenz des Rating-Prozesses, des Risikos von Interessenkonflikten in Verbindung mit den Entschädigungsmodellen der Rating-Agenturen, der Rechenschaft und der Qualität der Ratings anzugehen.”

Weitere Infos gibt’s beispielsweise via NZZ.

Rating-Agenturen und das Principal-Agent Problem

Friday, June 27th, 2008

Gestern veröffentlichte die Credit Suisse ihr Kredithandbuch. Die Schweizer Unternehmen kamen gut weg, die Finanzkrise scheint ihnen kaum zugesetzt zu haben. Dass die Ratings für Unternehmen von zentraler Bedeutung sind, ist nicht erst seit der Subprime-Krise bekannt. Trotzdem lohnt sich ein kurzer Blick auf die Arbeitsweise der Rating-Agenturen:

Für die Bewertung einer Unternehmung durchleuchten die Analysten einer Rating-Agentur die zu bewertende Firma. Das heisst, es werden Länder-, Branchen- und Unternehmensrisiken bewertet sowie die finanzielle Situation der Unternehmung beurteilt. Das daraus abgeleitete Produkt ist eine Note, das Rating. Je nach Rating-Agentur sieht die Note etwas anders aus, die Aussage ist aber dieselbe: Wie hoch ist das Ausfallrisiko von Anleihen der bewerteten Unternehmung. Die Folge eines schlechten Ratings für die Firma sind höhere Zinsen für die Aufnahme von Kapital. Ein schlechtes Rating kostet also Geld …

So weit so gut.

In diesem Prozess gibt es aber zwei Tatsachen, die kritisch betrachtet werden müssen:

1.) Eigentlich gibt es nur zwei Rating-Agenturen: Moody’s und Standard & Poors. 80% aller Ratings werden von diesen beiden Agenturen erstellt. Diese Tatsache verleiht den beiden Agenturen eine grosse Macht und gleichzeitig eine grosse Verantwortung. Fehleinschätzungen können zu grossen Verlusten bei Unternehmen und Investoren führen.

2.) Auftraggeber für ein Rating ist jeweils die Unternehmung selbst. Eine Firma bezahlt also die Rating-Agentur, damit sie benotet wird. Hier kommt die Principal-Agent-Theorie zum Tragen, die folgendes besagt: Der Principal (das Unternehmen) erwartet, dass der Agent (die Rating-Agentur) sich voll und ganz für die Auftragserfüllung einsetzt, also nicht eigene Ziele verfolgt, sondern diejenigen des Unternehmens. Er kann dies aber nicht kontrollieren, da ihm die nötigen Informationen fehlen. Die Agentur ist also in einem Dilemma. Einerseits muss man den Kunden zufrieden stellen, also eine für das Unternehmen günstige Note geben, andererseits wird erwartet, dass die Risiken objektiv beruteilt werden.

Ein schönes Beispiel für das Problem: Moody’s erteilte einer Versicherungsfirma von Warren Buffet ein Toprating. Brisant dabei: Warren Buffet ist selber an Moody’s beteiligt…

Weiter ist zu beachten, dass ein Investor nicht so viele Informationen zu Verfügung hat wie eine Rating-Agentur. Es besteht also eine Informationsasymmetrie. Ein schönes Beispiel für “Moral Hazard“. Investoren sind folglich bis zu einem gewissen Grad auf ein objektives Rating angewiesen. Beispiele für die schmerzlichen Folgen von zu positiven Ratings gibt es mittlerweile einige: Enron, WorldCom und Parmalat sind allen noch in bester Erinnerung. Die Subprime-Krise ist nur die neuste Episode der Rating-Soap.

Update: 21st Century IR bei Dell

Friday, January 18th, 2008

Wie im November des letzten Jahres an dieser Stelle versprochen, haben wir uns kundig gemacht, wie sich der damals lancierte Investor Relations Blog von Dell entwickelt hat.

Nun, bei den acht Einträgen, die seit November 2007 publiziert wurden, entstand hie und da tatsächlich eine kleine Diskussion. Allerdings sind es immer etwa die gleichen Personen, die sich äussern. Vielleicht liegt es daran, dass auf diesem Kanal nur unwesentlich mehr Substanz geboten wird (werden kann) als auf den restlichen IR-Kanälen; vielleicht liegt es auch nur daran, dass der Blog erst seit zwei Monaten in Betrieb ist.

In a nutshell: Beim Marktgewicht von Dell wäre eine höhere Beteiligung wünschenswert, lassen wir dem innovativen Format aber Zeit sich zu entwickeln. Analog zu den Verkaufszahlen des letzten Quartals (+17%) zum Beispiel, die auch ein paar Ausführungen wert wären.

1,7 Tassen Kaffee pro Tag

Thursday, January 17th, 2008

Vor einige Wochen haben wir hier von einem Jahresbericht in Blogform berichtet. Ein interessantes, wenn auch noch nicht vollständig ausgereiftes Konzept. Kürzlich ist uns aber noch ein anderer Annual Report im Netz aufgefallen, der nicht minder spannend ist. Nicht weil er formal neue Wege beschreitet (obwohl er hübsch gemacht ist), sondern aufgrund seines Inhalts. Es ist der persönliche Jahresbericht einer Privatperson. Nicolas Feltron ist Grafiker und hat sein 2007 in Zahlen gefasst. Von der totalen Menge an Koffein, bis zu einer Grafik, die seine Kleiderneuzukäufe nach Farben auflistet findet sich alles, was sonst wohl niemand dermassen exakt notiert. Oder kennen Sie die durchschnittliche Anzahl Seiten, die Sie 2007 pro Tag gelesen haben? (bei Nicolas Feltron sind es 17,8)

Wie man mit einem Conferencecall 20% Wert vernichtet

Thursday, December 27th, 2007

Am 19. Dezember sackte der Aktienpreis von Sallie Mae, Amerikas Markführer im Bereich Ausbildungskredite mit Rang 284 der Fortune 500, an einem Tag um 20% ab. Und das wegen einem Conferencecall. Was war passiert?

Gemäss den Kurznews auf CNNMoney.com war der Absturz darauf zurückzuführen, dass CEO Albert L. Lord Dividendenkürzungen ankündigte, um steigende Kreditausfälle abfedern zu können. Der Kurs wäre aber wohl nicht so tief gefallen, wenn Albert L. Lord

- einige Fragen der Analysten mit konkreteren Aussagen beantwortet hätte,
- falls dies nicht möglich war, die Gründe dafür erklärt oder ganz geschwiegen hätte,
- auf den scheinbar arroganten Unterton verzichtet hätte
- und last but not least den Conferencecall nicht mit “Let’s get the f*** out of here” beendet hätte…

Lesenswert und im Detail aufbereitet unter Investor Relations Musings und CNNMoney.com.

Der Geschäftsbericht als Blog

Tuesday, December 11th, 2007

Endlich. Der erste Geschäftsbericht verpackt in einen Blog ist erschienen. Und zwar stammt er von der britischen Kommunikationsagentur Next Fifteen Communications Group plc. Der Schritt ist mutig und war auch nach unserer Auffassung fällig. Die regelmässigen Besucher dieses Blogs wissen, dass wir uns stetig sowohl mit Web 2.0, Social Media etc. wie auch mit Investor Relations beschäftigen. Die Verknüpfung der beiden Bereiche ist da nur logisch und wurde in anderer Form auch bereits umgesetzt. (Stichworte: Press Release 2.0, Webcasts, 24 Stunden CFO Q&A via Blog etc.)

Dennoch zwei kritische Gedanken dazu:

- Der Mehrwert, der ein Geschäftsbericht in Blogform schafft, fokussiert klar auf die Interaktion. Aus diesem Grund sollte diese auch ein Bedürfnis der Leserschaft sein, und der Interaktionskanal (sprich die Kommentarmöglichkeit) sollte klar erkennbar sein.

- Um Features wie RSS sinnvoll einsetzen zu können muss man sich von der Idee des statischen Geschäftsberichts lösen. Nun ist ein grosser Teil des Geschäftsberichts aber per Definition statisch, so z.B. das gesamte Financial Reporting. Die Dynamik beschränkt sich somit auf begleitende Elemente, welche wöchentlich angepasst werden sollten, damit sich via RSS auch etwas tut.

Dass die Form des Blog-Geschäftsberichts noch Verbesserungspotenzial hat, beschreibt auch Derek Abdinor in seinem Blog, der auf eben diese Verbindung von Web 2.0 und IR fokussiert. Der Grundstein ist aber gelegt und wir sind überzeugt, dass dies nicht der letzte Geschäftsbericht in Blogform war.

21st Century IR bei Dell

Tuesday, November 6th, 2007

Seit Anfang November betreibt Dell einen eigenen Investor Relations Blog und öffnet damit die Türen zu einem ständigen Austausch über publizierte Firmennachrichten. Das ist nicht nur mutig sondern folgt den Zeichen der Zeit. Firmenresultate auf der eigenen Webseite zu diskutieren erlaubt Dell nicht zuletzt besser auf Fragen und Unsicherheiten aufmerksam zu werden und zu reagieren.

Alles in Butter also? Nicht ganz. Im vorgeschalteten Disclaimer findet sich der Hinweis, dass Dell Kommentare zurückweisen und vor der Veröffentlichung editieren darf, was dem dem Blog etwas von seiner Glaubwürdigkeit raubt. Man stellt sich unweigerlich die Frage, wie frei die Diskussion ablaufen kann und ob Einträge geschönt werden. Letzteres würde die Investor Community schnell wieder von der neuen Plattform vertreiben. Wir werden mit Interesse verfolgen, wie sich das jüngste Anschauungsbeispiel von “21st Century IR” entwickelt.

Baldrian statt Kaffee

Tuesday, October 2nd, 2007

Heftig reagiert hat kürzlich Dominic Jones in seinem Investor Relations Blog. Zum Statement einer anonymen IR-Verantwortlichen, auf der neuen Firmen-Webseite bewusst keinen RSS-Feed zu installieren, weil dies die Investoren davon abhalte mit der Firma in direkten Kontakt zu treten, meinte er: “Personally, I’d like to know who the hell said such a stupid thing so I can send her a bill for cleaning the coffee off my monitor.”

Recht hat er zwar, aber vielleicht sollte er statt Kaffee besser Baldriantee trinken und Geduld haben mit denjenigen, die das Web 2.0 noch nicht anzuwenden wissen. Das tun wir auch.