Archive for the ‘Klassische Medien’ Category

Vom „König der Kalauer“ zum „König der Klugscheisser“

Friday, February 26th, 2010

Am Sonntag, 7. Februar 2010 brach die Lawine los. Sie ergriff die Leser der NZZ am Sonntag mit voller verbaler Wucht am Frühstückstisch und riss die Schweiz in einen medialen Schlagabtausch, der sich alsbald in unzähligen Kommentaren niederschlagen sollte. Besonders hart erwischte die Lawine an jenem winterlichen Februartag wohl aber Stephan Klapproth, Moderator der Sendung „10 vor 10“ des Schweizer Fernsehens. Losgetreten wurde sie von Dominique Imseng, Werbetexter und freier Journalist der NZZ. Unter dem Titel „König der Kalauer“ machte er seinem Unmut über Klapproths Moderationen Luft. Dass von der Redekunst früherer Rhetoriker nicht mehr viel geblieben sei, beweise „10 vor 10“ wenn Klapproth im Studio sitze. Er sei ein Schwadroneur vor Gott, dessen Anmoderationen fast länger seien als die Beiträge selbst. Selbst vor der äusseren Erscheinung des Moderators machte die Kritik nicht halt. Die Antwort Klapproths liess denn gerade mal bis zur nächsten NZZ am Sonntag auf sich warten. Nicht minder böse quittierte der Moderator den Titel des Werbers und Journalisten mit „König der Klugscheisser“. Es folgte eine Zerlegung der Aussagen Imsengs unterlegt mit viel Latein und dem Schluss: „So rufe ich Ihnen versöhnlich auf Ihrer angestrebten geistigen Flughöhe zu: “Si tacuisses, philosophus mansisses” – wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben (Boethius, “Trost der Philosophie”, natürlich).“

Doch statt zu schweigen, sprangen weitere Medien auf. Persoenlich.com präsentierte die Texte in voller Länge und auch der Tages-Anzeiger forderte mit einem Artikel geneigte Leser dazu auf, Stellung zu beziehen. Über 200 Kommentare resultierten. Von „Nachrichten sind Nachrichten, da benötige ich keine seifige Lyrik eines ambitiösen Selbstdarstellers.“ bis „Herr Klapproth ist ein Mann, der uns immer wieder die Blumigkeit der deutschen Sprache zu Ohren führt. Ein wahres Vergnügen im zu zuhören. …“ findet sich für Gegner wie Befürworter eine passende Passage. Fraglich bleibt, ob solch persönliche Befindlichkeiten wirklich ihren Platz in den Medien rechtfertigen. Entspricht der Informationsgehalt doch in etwa dem einer Diskussion auf Facebook. Eines jedoch haben die beiden Medienprofis den Nutzern der Netzwerkplattform voraus: Sie erhalten eine etablierte Bühne für ihren Schlagabtausch. Und diese wissen Sie auf unterhaltsame Weise zu nutzen.

Selbst nach gut zwei Wochen ist die Posse in der Schweizer Medienlandschaft immer noch präsent: so kommentiert beispielsweise Regula Stämpfli auf news.ch den „Zickenkrieg“ und a-z.ch (AZ Medien) lanciert zum Beitrag die passende Abstimmung. Dabei hätte man sich getrost auch andersweitig bedienen können. Beim aktuellen Schlagabtausch zwischen Bushido und Alice Schwarzer etwa, die sich – dem strengen Regelwerk des „Dissens“ sei’s gedankt – zumindest formal eine am antiken Vorbild orientierte Redeschlacht geliefert haben.

Medienanalyse im Modus Handgelenk mal Pi

Monday, July 13th, 2009

Ein 15-Jähriger sorgt in der Finanzwelt für Furore“, “Nachwuchstalent: 15-Jähriger lässt Analysten alt aussehen“, “Sensationsbericht: Teenager führt Analysten vor” – das sind die Schlagzeilen des Tages. Sensationell ist daran aus meiner Sicht vor allem Folgendes: Ein Bankpraktikant äussert sich zur Mediennutzung von Teenagern. Statt auf empirischen Daten beruht seine Analyse auf persönlichen Eindrücken aus dem Kollegenkreis. Die Bank publiziert’s als Analystenbericht und die Welt findet’s grossartig. Food for thought:

1. Herausgekommen sind scheinbar “einige der klarsten und aufrüttelndsten Erkenntnisse, die wir je gesehen haben”, so Edward Hill-Wood, Leiter Analyseteam von Morgan Stanley. Anders formuliert: Der Bericht ist aufgrund der Datenlage wenig differenziert. Das kommt uns aber in der ach so komplexen Realität entgegen. Einfache Lösungen sind eben immer noch die besten.

2. “Den ganzen Tag über haben sich Fondsmanager und Konzernchefs bei uns gemeldet”, kommentiert Hill-Wood weiter. Anders formuliert: Wegen mangelnder Interoperabilität und Repräsentativität der Untersuchung haben sich so viele Kunden und Partner beschwert wie noch nie.

Obwohl einige Beobachtungen des Praktikanten durchaus interessant sein mögen: Wenn die Analysen, welche in die Marktbewertungen einfliessen, so daherkommen, dann wundert sich hoffentlich niemand über Trendblasen und volatile Märkte.

Spricht man in der Hölle türkisch?

Thursday, June 18th, 2009

Vor einigen Wochen, nach der Arbeit, schlage im Zug den Blick am Abend auf und freue mich, dass bei den Witzen nicht schon wieder einer abgedruckt ist, den ich an selber Stelle schon einmal gelesen habe – das kommt da ab und zu vor. Was finde ich stattdessen? Ein Witz, der mit der Pointe endet, dass in der Hölle türkisch gesprochen wird. In der gleichen Ausgabe dann noch ein “lustiger” Hinweis der Redaktion, dass ihr schon lange der Pulitzer-Preis zustehen würde. Ich glaube so wird das nichts.

.tv

Monday, May 4th, 2009

Die Auswirkungen der Klimaerwärmungen erreichen nun auch das Web. Der Domain-Registrar GoDaddy.com rät Personen, die eine .tv Domain registrieren wollen, doch lieber .com, .net oder .info zu wählen. .tv ist ein gerne gewähltes Kürzel für Fernsehsender (z.B. sf.tv), es ist aber eigentlich die Top-Level-Domain des Inselstaates Tuvalu, der eines der ersten Opfer des steigenden Meeresspiegel werden könnte.

.tv

Nichts ist so spannend, wie die Zeitung von gestern

Wednesday, April 22nd, 2009

Mit Google News stellt Google seit längerem eine Dienstleistung zur Verfügung, die ihr nicht nur Freunde schafft. So sind verschiedene Zeitungsanbieter der Meinung, dass die Leser dadurch nicht mehr zur physischen Zeitung greifen und sich mit der Gratisausgabe online begnügen. Zudem bereichere sich Google an der Leistung von Dritten und überhaupt besteht die Gefahr, dass die Geschichtsschreibung plötzlich einer privaten Firma unterliegt (z.B. Artikel in der FAZ). Durchaus berechtigte Kritikpunkte. Gerade wenn man bedenkt, wie einfach digitale Daten auch nachträglich noch verändert werden können, ist es schlicht unmöglich, die Korrektheit oder Vollständigkeit von digitalen Archiven zu kontrollieren. Ein Thema, dem sich sich in ähnlicher Form auch schon Science Fiction Autoren, wie George Orwell angenommen haben.

Als – nichts desto trotz – bekennender Fan von Online-Zeitungsarchiven, habe ich trotzdem mit Interesse gelesen, was Andy Hertzfeld am Montag geblogt hat. Die Google News Timeline wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit ihr lassen sich Zeitungsmeldungen und ganze Zeitschriftenarchive entlang einer Zeitachse durchsuchen. Ein beeindruckendes System und wenn ich mich durch alle Artikel durchgelesen habe, die an meinem Geburtstag erschienen sind, werde ich früher oder später sicher auch eine seriöse Anwendung dafür finden…

NZZ druckt am schärfsten

Friday, November 7th, 2008

Niemand druckt so scharf wie die NZZ. Den vermeintlichen Beweis dafür habe ich heute Morgen in der Beilage NZZdomizil gefunden. Im wöchentlichen Bilderrätsel wird danach gefragt, wo sich die folgende Sprungschanze befindet:

Ich hätte es auch sonst erraten, aber diesmal war das Rätsel doch gar einfach. Sprungschanzen sind oftmals angeschrieben, und so erkennt man denn bei genauem Hinsehen…

… St. Moritz.

Mit Hüst und Hott durch die Krise

Friday, October 10th, 2008

In der Krise sind die News von gestern noch älter als sonst. Das zeigt auch der tägliche Blick ins Aktienportefeuille – sofern man noch eines hat, das diesen Namen verdient. Dass sich die Halbwertszeit von Informationen in den letzten Wochen noch einmal verkürzt hat, sollte aber nicht dazu animieren den roten Faden in der Kommunikation zu verlieren. Da ist es mir schon lieber wenn sich der Bundesrat in dieser schwierigen Lage mit besonnener Zurückhaltung zu Wort meldet (vgl. NZZ vom 10.10.08), als wenn folgende Beispiele Schule machen:

a) Am 30. September beschloss die irische Regierung unbegrenzte Garantien für Einlagen in großen Banken des Landes. Harsche Kritik aus der EU, namentlich aus Deutschland, war die Folge. Am 5. Oktober dann verkündete die Bundesregierung eine Staatsgarantie für alle privaten Spareinlagen, Termineinlagen und Girokonten…

b) Am 7. Oktober schrieb der Tages-Anzeiger mit Bezug auf das Schutzniveau der Schweizer Bankkonten: “Und auch die Schweiz wird kaum umhinkommen, ihr dürftiges Sicherungsnetz zu verstärken – im Sinne einer vertrauens­bildenden Massnahme.” Tags darauf erschien in der gleichen Zeitung der Kommentar: “Das heutige Schutzniveau von 30 000 Franken reicht vollauf.”

c) Die Chronologie der Schott Solar Kommunikation anhand der Berichterstattung in der Schweiz:
NZZ, 23.9. „Schott Solar verschiebt Börsengang“
NZZ, 30.9. „Schott Solar nimmt Börsenpläne wieder auf“
NZZ, 2.10. „Schott Solar verschiebt Börsengang erneut“
FuW, 4.10. „Schott Solar will unbedingt an die Börse“
NZZ, 9.10. „Schott Solar sagt Börsengang zum zweiten Mal ab“

Wie sollen denn da die Marktteilnehmer wieder zu Vertrauen kommen?

Beweis ist erbracht: US Politiker sind nicht käuflich

Thursday, August 7th, 2008

Der US Präsidentschaftswahlkampf ist ein schmutziges Geschäft. Das ist nicht neu und das Wahlwerbevideo von Präsidentschaftskandidat John McCain überrascht deshalb kaum. Er vergleicht darin die Führungsqualitäten seines Gegners Obama mit derjenigen von Celebrities, wie z.B. Paris Hilton. Erreicht hat McCain damit zwei Dinge, die er wohl kaum beabsichtigt hat. Zum einen hat er Paris Hilton zu einer überraschend kreativen Eigenleistung motiviert und zum anderen hat er bewiesen, dass er nicht käuflich ist. Die Familie Hilton gehört nämlich mittlerweile seit Jahrzehnten zu treuen Geldgebern für seine Kampagnen. (Hier eine Auflistung der Spenden von Papa, Mama und Opa Hilton) McCain dankt es ihnen, indem er sich im Fernsehen über ihre Tochter bzw. Enkelin lustig macht. Naja, vielleicht ist das ja seine letzte Wahlkampagne und er hat das Geld nicht mehr nötig.

Execution of the Queen of France

Friday, June 20th, 2008

Gerne schreiben wir in unserem Blog über das Web 2.0, in dem jeder sein eigener Journalist ist. Das ist spannend und die Zukunft wird wohl nicht viele interessante Entwicklungen in dieser Richtung bringen. Was das Web 2.0 uns aber nicht liefern kann, ist ein Blick in die Vergangenheit.

Die Zeitung von gestern interessiert niemand und von vorgestern erst recht nicht. Was aber ist mit der Zeitung vom 1. Januar 1785? Soweit zurück reicht das Archiv der Times aus London, das jetzt für alle zugänglich im Netz verfügbar ist.

Ein herrlicher Ort zum stöbern, an dem die Geschichte – halt mit stark britischem Fokus – greifbar und extrem spannend ist. Die Exekution von Marie Antoinette im Oktober 1793 ist plötzlich nicht mehr nur ein hystorisches Datum, sondern eine Schlagzeile.

Jack The Ripper ist keine Randfigur in mehr oder oft weniger gruseligen Horrorfilmen, sondern eine echte Gefahr, die Angst und Schrecken verbreitet.

Zu entdecken gibt’s jede Menge. Volle 200 Jahre Zeitgeschichte. Wer also anfängt zu schmökern, der/die sei vorgewarnt. Selten – seit dem Start von YouTube – ist ein Dienst ins Netz gestellt worden, mit dem man so leicht so viel Zeit verbummeln kann.

(gefunden via heise newsticker)

.ch vs. Post

Thursday, October 18th, 2007

Mein Nachbar scheint mit der täglichen Gratisauslieferung von .ch nicht restlos zufrieden zu sein.